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steigende Stromkosten führen zum Strompreisvergleich

Wie entsteht der Strompreis? Wer denkt, dass die Stromrechnung nur aus dem gelieferten Strom besteht, der irrt. Leider!

Eigentlich ist es nur vernünftig anzunehmen, dass man zahlt, was man bestellt hat. In jedem Online-Shop ist klar, dass nur die gekaufte Hose geliefert wird und nicht noch Socken, Schuhe oder Pullover. Und die Rechnung beläuft sich in letzter Konsequenz auch nur auf die Hose. Ausgenommen ist das Porto, das wird jedoch von Anfang an deutlich gekennzeichnet, sodass jeder Käufer genau weiß, dass diese Kosten auf ihn zukommen.

Nett wäre, wenn Stromkonzerne genauso offen proklamieren würden, welche versteckten Kosten in so einer Stromrechnung denn nun enthalten sind. Doch leider wird der Kunde noch immer viel zu häufig vor vollendete Tatsachen gestellt, wenn die jährliche Stromabrechnung fällig wird.

Selbstverständlich ist ein baldiges Zahlungsziel angegeben und jeder Stromabnehmer weiß, dass er diesem besser nachkommt, ansonsten sitzt er bald sprichwörtlich im Dunkeln. Stromkonzerne fackeln nicht lange, der Strom wird schneller abgedreht, wie man gucken kann.*

Also wird brav gezahlt; die Stromabrechnung versteht man sowieso nicht so genau, von dem meisten Kauderwelsch hat man noch nie was gehört. Zugegeben, an der Stromabrechnung als solches lässt sich nicht viel ändern.

KURZ & KNAPP
  • Eine Jahresendabrechnung ist oftmals unübersichtlich
  • Eine Jahresendabrechnung hat ein schnelles Zahlungsziel
  • Stromkonzerne stellen schnell den Strom ab

*Vor dem Fachchinesisch einer Stromabrechnung scheut sich so mancher Stromkunde. Doch mit ein wenig Übung wird die Endabrechnung verständlich

Jahresendabrechnung Strom

Mit einer Stromabrechnung verhält es sich, wie mit dem Besuch bei einem Arzt. Man möchte die Diagnose genau verstehen und auch die Behandlungen sollten keine böhmischen Dörfer sein. Und wenn letztlich unvermeidbare Behandlungskosten im Raum stehen, wird – wer mit gesundem Menschenverstand an die Sache herangeht – über den Preis verhandelt. Oder man möchte zumindest genau wissen, wie teuer die einzelnen Behandlungsschritte sind, um nach Möglichkeit bei einem anderen Arzt Preise vergleichen und vielleicht sogar wechseln zu können.

Wer seine Stromabrechnung kennt und die einzelnen Punkte versteht, hat ein „Pack an“ um Strompreise vergleichen und im Erstfall einen Stromanbieterwechsel durchführen zu können. Gleichzeitig findet eine kritische Betrachtung der einzelnen Stromkostenpunkte statt. Inzwischen ist Stromkonzernen daran gelegen aufzuklären, schließlich möchten sie alte Kunden halten und neue gewinnen.

Stromabrechnung und ihre einzelnen Posten

Grundsätzlich werden Stromkosten gesplittet in Transport, Vertrieb und Erzeugung, sowie in Abgaben, Umlagen und Steuern. Im Hinblick darauf, dass mit den Jahren alles teurer wird – wäre eine moderate Strompreiserhöhung sogar verständlich.

Doch wenn man sich die Zahlen nüchtern betrachtet ist feststellbar, dass im Vergleich zu 1998 die Stromkosten immens gestiegen sind. Interessanterweise sind laut der Strompreisanalyse des BDEW (Bundesverband der Energie und Wasserwirtschaft e.V) vom Mai 2013, die Kosten für Transport, Vertrieb und Erzeugung um annehmbare 11% gestiegen, wohingegen die Kostenspirale für Abgaben, Umlagen und Steuern um 243% nach oben geklettert ist. Da stellt sich doch die Frage, Welche Strompreisbestandteile für diese Teuerung verantwortlich sind.

Vertrieb und Energiebeschaffung machen im Groben knapp über 30 Prozent der Jahresendabrechnung aus. Die Strompreise orientieren sich sehr stark am Markt. Sind Rohstoffe oder die Kosten der Produktion hoch, steigt der Preis, sind sie niedrig, sinkt er ein wenig. Hinzu kommt der Stromhandel an den sogenannten Strombörsen, z.B, in Leipzig. In den Kosten für Vertrieb und Energie ist übrigens auch die Gewinnmarge des Stromanbieters enthalten.

Das Netznutzungsentgelt ist ein weiterer nicht zu unterschätzender Posten des Strompreises. Letztlich handelt es sich hier um eine erhobene Gebühr der Netzbetreiber. So sollen sämtliche Kosten für den Transport des Stroms abgegolten werden, hierzu zählt auch die Wartung der Gas- und Stromleitungen. Die Netznutzungsentgelte sind für den Strombetreiber nochmals eine Möglichkeit, Gewinn einzustreichen und die Kosten der Wettbewerber zu erhöhen. Damit keine Preistreiberei entsteht, müssen die zu erhebenden Unkosten erst bei der Bundesnetzagentur angemeldet werden. Diese erteilt Genehmigungen für Preise, die nicht selten unter den geforderten Preisen der Netzbetreiber liegen.

Bestandteile einer Stromrechnung
  • Vertrieb und Energiebeschaffung
  • Netznutzngsentgelte
  • Abrechnung, Messung, Messstellenbetrieb
  • Umlagen KWK, EEG, § 19 StromNEV
  • Stromsteuer und Umsatzsteuer
  • Konzessionsabgabe

Der Messstellenbetrieb ist nach § 21 b Absatz 1 EnWG klar geregelt und fällt unter den Zuständigkeitsbereich des Betreibers des Energieversorgungsnetzes. Auch die Kosten für das Erstellen der Abrechnung und die Messung des Zählers sind der Jahresendabrechnung enthalten.

Die KWK-Abgabe (Kraft-Wärme-Kopplung) wird pro verbrauchte Kilowattstunde auf den Strompreis aufgeschlagen, sie dient zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung in fossilen Kraftwerken. Durch diese Förderung soll der Ausstoß von Treibhausgasen heruntergefahren und Neubauten von Wärme- und Kältespeichern unterstützt werden.

Die EEG-Umlage (Erneuerbare-Energien-Gesetz) ist ein wahrer Preistreiber. Als größter Einzelposten in der Strompreisrechnung stieg sie von 5,3 Cent/kWh im Jahr 2012, auf 6,24 Cent/kWh im Jahr 2014. Sie finanziert den Ausbau Erneuerbarer Energien. Jedes Gebäude, welches Strom mittels Solaranlagen oder Windrädern ins Netz einspeist wird mittels einer Vergütung (EEG) gefördert. Da der grüne Strom an der Strombörse weit unter den festgelegten Vergütungstarifen verkauft wird, wird die Differenz mittels EEG-Umlage an fast alle Stromverbraucher weiter gereicht. Die EEG-Umlage gehört zu den kontroversesten Stromkosten, da zum einen große Konzerne von selbiger befreit sind (was zu Mehrkosten für kleine Betriebe und Privatpersonen führt) und zum anderen der Staat durch die aufgeschlagene Mehrwertsteuer auf den Netto-Strompreis kräftig mit verdient. 1 Milliarde Euro Zusatzeinnahmen spült alleine eine preisintensive EEG-Umlage in die deutsche Staatskasse. Dem möchte Brüssel entgegenwirken!

Die Stromnetzentgeldverordnung (StromNEV) dient auf dem ersten Blick dem Verbraucher. Letztverbraucher können nach § 19 Abs. 2 Satz 1 bzw. Satz 2 ein individuelles Netzentgelt beantragen. Wer ein Übertragungsnetz betreibt, muss entgangene Erlöse aus individuellen Netzentgelten nachgelagerten Betreibern überweisen. Diese eingehenden Zahlungen müssen untereinander ausgeglichen werden. Ab dem 01.01.2014 wird StromNEV von Letztverbrauchern erhoben.


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Die Stromsteuer wird auch gerne als Ökosteuer bezeichnet, letztlich handelt es sich um zwei Steuerarten, da auch die Energiesteuer enthalten ist. Interessant ist, dass die staatlichen Mehreinnahmen als zusätzlicher Bundeszuschuss zu großen Teilen in die Rentenkasse fließen (Quelle IHK). Das Produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft profitiert von Ökostromvergünstigungen, indem eine Ermäßigung des Steuersatzes oder ein Spitzenausgleich (Ermäßigung in Sonderfällen) angeboten wird. Eine weitere enthaltene Steuer in der Stromrechnung ist die Mehrwertsteuer. Im Gegensatz zu Wasser, wo mit dem vergünstigten Steuersatz von 7% abgerechnet wird, wird Strom mit vollen 19% besteuert.

Die Konzessionsabgabenverordnung ist für Städte und Gemeinden eine gerne gesehene Verordnung, regelt sie doch die Konzessionsabgabe, die Stromnetzbetreiber an die Gemeinden zahlen müssen, wenn sie öffentliche Verkehrswege für das Verlegen von Energieversorgungsleitungen nutzen wollen. Strom ist eine Energiequelle, ohne welche heute weder ein Haushalt, geschweige denn eine Firma, auskommt, daher ist die Konzessionsabgabe eine vorhersehbare, planbare und hohe Einnahmequelle. Die Strom- und Gasnetzbetreiber bleiben allerdings auf diesen an die Gemeinde zu entrichtenden Mehrkosten nicht sitzen, sondern die Abgabe wird bei der Berechnung des Strompreises mit einkalkuliert, sodass die Konzessionsabgabe auf der Jahresendabrechnung auftaucht. Die Konzessionsabgabe ist übrigens nicht in jeder Gemeinde gleich hoch, da sie von der Einwohnerzahl abhängig ist. So zahlen Tarifkunden bis zu einer Einwohnerzahl von 25.000 einen Betrag von 1,32 Cent je KWh. Liegt die Einwohnerzahl über 500.00 sind es 2,39 Cent.

 
 
FAZIT
 
 
KURZ & KNAPP
  • Stromabrechnung genau lesen
  • Stromabrechnung im Ernstfall erklären lassen
  • verschiedene Jahresendabrechnungen miteinander vergleichen

Die Stromkosten werden steigen, das zeigen die letzten Monate deutlich

Je transparenter die Jahresendabrechnung ist, umso genauer lassen sich die einzelnen Posten nachvollziehen

Es schadet nicht, die eigene Stromabrechnung mit der von Freunden und Bekannten zu vergleichen. So lassen sich Preisunterschiede auch in versteckten Kosten feststellen und es kann daraus abgeleitet werden, ob ein Strompreisvergleich sinnvoll ist oder nicht