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Ein Gezeitenkraftwerk in Frankreich

Gezeitenkraftwerke

Der Weg aus der Krise?

Gezeitenkraftwerke produzieren auf saubere Art und Weise Strom. Doch wie ökologisch sind sie wirklich? ...weiterlesen

Enerdream, Dezember 2018
Ausgabe 12 / 2018

Die Energiewende wird unschlagbar preiswert

Franz Alt aktuell für Enerdream

Der bekannte Journalist und Buchautor Franz Alt schreibt für die Enerdream-Zeitung zm Thema Energiewende. Sein Tenor: Erneuerbare Energien kosten, keine erneuerbaren Energien kosten die Zukunft.

 

„Wir können Windenergie im Binnenland schon heute günstiger als mit neuen Gas- oder Kohlkraftwerken erzeugen“, erläuterte JUWI-Vorstand Matthias Willenbacher auf der Windmesse in Husum. „Voraussetzung ist, dass wir weitere gute Standorte erschließen und auf die richtige Technik setzen. Höhere Türme und größere Rotoren sorgen … auch fernab der Küste dafür, dass Windräder im Jahr mehr als 4.000 Volllaststunden erreichen. Das sind Werte, die auch im Meer nicht wesentlich übertroffen werden.“ Wind und Sonne schicken eben keine Rechnung. Das sind die unschlagbaren ökonomischen Vorteile der künftigen ökologischen Energieversorgung.

verkannte Windenergie

Aber was macht die Bundesregierung? Sie unterstützt die teure Offshore-Windpolitik der Energiekonzerne und jammert dann über die angeblich unbezahlbare Energiewende. Solche schizophrenen Diskussionen liefern zurzeit täglich vor allem FDP-Spitzenpolitiker und Vertreter des CDU-Wirtschaftsflügels. Offshore-Windstrom wird etwa doppelt so teuer wie Windstrom im Binnenland. Lange Leitungen kosten unnötig viel Geld.

Auch in Bayern, Hessen und Baden-Württemberg weht so viel Wind, dass die südlichen Bundesländer bis zu 25 % Windstrom selbst erzeugen können. Und das reicht für einen hundertprozentigen Mix aus erneuerbaren Quellen. Sachen-Anhalt gewinnt schon heute über 50% seines Stroms aus Windkraft und hat ähnliche Windverhältnisse wie Süddeutschland. Im Süden müssen Windräder ganz einfach 20 Meter höher sein und es herrschen Windverhältnisse wie an der Küste.

Saubere Energie gegen schmutzige Energie

Eine noch günstigere Preisentwicklung als die Windenergie hat in den letzten Jahren der Solarstrom genommen. 70 Cent kostete die Kilowattstunde im Jahr 2.000. Heute sind wir bei 16 Cent beim Solarstrom vom eigenen Dach. Fachleute gehen davon aus, dass in zehn bis 15 Jahren eine Kilowattstunde Solarstrom fünf Cent kosten wird. Die erneuerbaren Energietechnologien werden durch Massenproduktion immer preiswerter wie das bei allen Technologien der Fall war. Atom- oder Braunkohlestrom aus der Steckdose kostet 23 bis 25 Cent. Und in zehn Jahren etwa das Doppelte.

In Deutschland müssen jedes Jahr über 80 Milliarden Euro ausgegeben werden für die Einfuhr von fossilen Energieressourcen. Nach einem meiner Vorträge fragte mich ein Manager von EnBW, was ich dazu sage, dass 2013 die Stromverbraucher in Deutschland wahrscheinlich 20 Milliarden Euro an EEG-Umlage aufbringen müssten. Er halte das für „ einen Wahnsinn. Ich bin für die Energiewende und die EnBW auch, aber sie muss bezahlbar sein.“ Mit diesem Argument wird insinuiert, dass wir uns mit der Wende Zeit lassen sollten. „Bitte nichts überstürzen“, höre ich jeden zweiten Abend bei meinen Vorträgen. Was aber sind die 20 Milliarden jährliche Mehrkosten für den Umstieg in umweltfreundliche Energien im eigenen Land gegenüber 80 Milliarden für schmutzige Energie, die wir jedes Jahr zu den Ölscheichs und Gasbaronen schieben? Die 20 Milliarden für Erneuerbare bleiben überwiegend in Deutschland. Sie generieren hier Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Und vor allem: Sie schützen das Klima und entlasten uns von den Folgekosten der alten Energieträger.

Atomstrom rechnet sich nie

Und wie teuer ist Atomstrom wirklich, wenn die Folgekosten dazu gerechnet werden, die bei den erneuerbaren Energien wegfallen? Ich habe in einer Fernsehsendung Michail Gorbatschow zu den Kosten des Tschernobyl-Unfalls gefragt. Er war 1986 zur Zeit des Unfalls schließlich Präsident in der alten Sowjetunion. Gorbatschow: „Die direkten Kosten und die Folgekosten haben unsere Fachleute auf 500 Milliarden Dollar errechnet.“ Schon bis jetzt hat der Unfall in Fukushima beinahe 100 Milliarden Dollar verschlungen..

Für eine Fernsehsendung habe ich in den Neunzigern die Fachleute des Fraunhofer-Instituts ausrechnen lassen, was eine Kilowattstunde Atomstrom kosten müsste, wenn die Folgekosten realistisch berechnet würden. Das Ergebnis: Vier Mark, also zwei Euro die Kilowattstunde...

Um von den Preissteigerungen der atomar-fossilen Stromerzeugung abzulenken, werden in diesen Wochen ständig publizistische Kanonen geladen, welche die Mär verbreiten, dass die Energiewende wegen der erneuerbaren Energien leider, leider zu teuer sei. Wirklich teuer wird aber der Klimawandel, wenn wir die richtigen, überall regional vorhandenen, erneuerbaren Energien nicht so rasch wie möglich organisieren.

Ausblick

Der frühere Chefvolkswirt der Weltbank hat 2007 errechnet, dass der Klimawandel etwa fünfmal mehr Geld kosten wird als die noch rechtzeitige Bekämpfung der Klimaveränderungen. Sein Resultat: Der rasche Umstieg auf Erneuerbare Energien kostet etwa ein Fünftel dessen, was der Klimawandel langfristig an Schäden anrichtet.

Erneuerbare Energien kosten, das ist richtig. Aber keine erneuerbare Energien kosten die Zukunft.

 

autorfranzalt

Vita Franz Alt

FRANZ ALT, geboren 1938 Dr. phil. ist Journalist, Fernsehmoderator und Buchautor. Von 1972 – 1992 war er Leiter und Moderator des politischen Magazins »Report«. Von 1992 bis 2003 leitete er die Zukunftsredaktion ZEITSPRUNG im SWR, seit 1997 das Magazin QUERDENKER und ab 2000 das Magazin GRENZENLOS in 3sat.

Preise und Auszeichnungen: Adolf-Grimme- Preis, Goldene Kamera, BAMBI, Deutscher + Europäischer Solarpreis, Umweltpreis der dt. Wirtschaft, Innovationspreis und German Speakers "Hall Of Fame" (Redner des Jahres 2011).

Franz Alt hält heute weltweit 200 Vorträge pro Jahr und schreibt Gastkommentare sowie Hintergrundberichte für über 40 Zeitungen und Magazine. Für sein Engagement erhielt er zahlreiche Auszeichnungen.

Seine Bücher sind in 12 Sprachen übersetzt und erreichen eine Auflage von über zwei Millionen Exemplaren.

Buch-Tipp: Franz Alt, Die Sonne schickt uns keine Rechnung – Neue Energie – Neue Arbeit – Neue Mobilität, Piper-Taschenbuch und „Auf der Sonnenseite – Warum uns die Energiewende zu Gewinnern macht“ – erscheint im März bei Piper.

 

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