Ein Heissluftballon steht am Himmel Ein Heissluftballon steht am Himmel Ein Heissluftballon steht am Himmel
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Ein Gezeitenkraftwerk in Frankreich

Gezeitenkraftwerke

Der Weg aus der Krise?

Gezeitenkraftwerke produzieren auf saubere Art und Weise Strom. Doch wie ökologisch sind sie wirklich? ...weiterlesen

Enerdream, Dezember 2018
Ausgabe 12 / 2018

Verkannte Klimasünder: Kreuzfahrtschiffe

 

Schweröl trägt massiv zu Klimaschäden bei

Es raucht, es qualmt, es schlotet! Ein bekanntes Bild, welches zwar mit einem Schornstein assoziiert wird, jedoch nicht mit einem Kreuzfahrtschiff der Luxusklasse. Wer ahnt schon, dass Rauch, Abgase und Nebelschwaden mindestens genauso gut zu einem Kreuzfahrtschiff passen, wie zu einem Kohlekraftwerk? Nur mit dem Unterschied, dass die Abgase aus einem Luxusliner im Gegensatz zum Kohlekraftwerk ungefiltert in die Atmosphäre gepumpt werden und giftiges Schweröl für die Schiffsmotoren genutzt wird.

Schiffsreisen heißt vordergründig Ruhe und Endspannung. Denkt Mann; oder auch Frau. Das Reisebusiness freut sich über diese Annahme und verkauft munter Reisen mit retuschierten Hochglanzfotos der Reeder. Ein indirekter Hinweis auf die positivere Umweltverträglichkeit gegenüber Flugreisen darf hier natürlich nicht fehlen.

Im ersten Moment leuchtet der Gedanke ein, schließlich braucht es enorme Kraft, um die gigantischen 560 Tonnen eines Airbus A380 in die Luft zu bekommen. Sieht man dagegen einem Luxusliner zu, wie er quasi mühelos über die Weltmeere schippert, kommt gar nicht das Empfinden auf, dass hier gerade tonnenweise Schadstoffe in die Luft entweichen.

Tanz mit den Wolken

Wer genauer hinschaut, sieht zeitweilig dicke schwarze Wolken aus den Schiffsschornsteinen aufsteigen. Die giftigen Abgase entstehen bei der Verbrennung von Schweröl. Gewaltige Mengen an Rußpartikeln, Stick- und Schwefeloxiden werden in die Atmosphäre gejagt, und die CO2-Emissionen sind ebenfalls enorm. Atmosfair hat es errechnet: 2.370 Kilogramm CO2 pro Passagier bei einer neuntägigen Reise, heißt das Ergebnis. Laut NABU-Vorsitzendem Porschke, stößt ein Luxusliner täglich umgerechnet so viel Ruß- und Schwefelpartikel aus wie 12.000 Pkw.

Der promovierte Chemiker Hjorth geht davon aus, dass bis zum Jahr 2020 der größte Anstieg von Luftschadstoffen von 40 % bis 50 % vom Schiffsverkehr – vor allem von Containerschiffen – auf den Weltmeeren zu erwarten ist. Dies sind bedrohliche Zahlen, was auch von der Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigt wird. Sie betonte, dass die Rußpartikel in den Schiffsabgasen stark krebserregend sind.

Die JRC-Wissenschaftler der Abteilung Klimawandel im oberitalienischen Ispra am Lago Maggiore untermauern diese These ebenfalls. Sie nutzen die Ressourcen der Passagierkreuzfahrtgesellschaft „Costa Crociere“ in Savona, indem sie mobile Messinstrumente an Schiffen anbringen, um so die Luftschadstoffe durch den Schiffsverkehr zu messen. Die Geräte werden so angebracht, dass der Qualm des fahrenden Schiffes nicht mitgemessen werden.

Schweröl hat Gewicht

Schweröl ist eine teerartige Substanz, die hochgiftig ist. Jedes einzelne Schiffsunglück ist eine echte Katastrophe, da Schweröl schwerer ist wie Wasser, daher zum Meeresboden sinkt und dort quasi nicht abzupumpen ist.Nicht nur die Tiefe ist ein Problem, Schweröl muss erhitzt werden, bevor es abgepumpt wird. Wie eine luftundurchlässige Folie überspannt das Öl sämtliche Lebewesen und Pflanzen und nimmt ihnen das Leben.

Die Namensgebung für Schweröl ist absolut passend, allerdings trifft der Begriff Abfall den Nagel auf den Kopf. Als Abfallprodukt der Treibstoffgewinnung enthält Schweröl reichlich Giftstoffe. Beschleunigt ein Schiffsmotor, verbrennt das Öl besonders unsauber – dunkle Wolken werden aus dem Schornstein gespuckt.

Damit aus pappigem Schweröl flüssiges Verbrennungsöl wird, muss es erhitzt und gefiltert werden. Der übrigbleibende zähe Schlamm wird als Sludge bezeichnet und muss teuer entsorgt werden. Da das Meer ein stillschweigender Partner ist, wird das Sludge immer mal wieder auf hoher See entsorgt.

Marinediesel hingegen hat weniger Schadstoffanteile, es könnten Rußfilter installiert werden und bei einem Unglück ließe sich Schiffsdiesel angenehmer abpumpen, da er leichter ist, wie Schweröl. Einziger, aber leider einmal mehr gravierendster Nachteil in der Industrie gegenüber Schweröl; Dieselöl ist teurer. Erste Schutzmaßnahmen werden ergriffen, so darf an der Nord- und Ostsee genauso wenig ein Schiff mit Schweröl fahren, wie in der Antarktis. Leider gilt diese Regelung im Mittelmeer nicht. Wenn der stark befahrene Mittelmeerraum allerdings noch lange mit Naturschutzgebieten glänzen soll, muss sich der Kraftstoff der Schiffe schnellstmöglich ändern.

Experimentelle Ansätze und Alternativen

Dass es auch anders geht, zeigen erste Schiffe, die mit Flüssiggas betrieben werden – oftmals als Hybrid in Verbindung mit Dieselmotoren. Sage und schreibe 90 Prozent weniger Schadstoffausstoß kann so erreicht werden; nicht umsonst gilt Flüssiggas als der Treibstoff der Zukunft. Allerdings gilt es bei den riesigen Luxuslinern viele technische Hürden zu meistern, so ist das Platzproblem nur eines davon. Fjord Line ist innovativ und schickt 2013 die MS Stavangerfjord ins Rennen. Es wird das erste und größte Kreuzfahrtschiff der Welt sein, welches die Bezeichnung "single LNG-Engine" trägt, also mit Flüssiggas betrieben wird.

Abgeschrieben ist Flüssiggas allerdings nicht; oftmals unterschätzt ist der Kraftstoffverbrauch im Hafen. Hunderte Passagiere wollen auch dort mit warmem Wasser, Licht und Wärme versorgt werden. Diese Energie wird von einem bordeigenen Dieselgenerator erzeugt, was zu einer hohen Schwefeldioxid- und Stickoxidkonzentration in unmittelbarer Hafennähe führt.

Bisher wurde mit Landstromanschüssen gearbeitet, was jedoch sehr kostenaufwendig ist, da diese allwettergeschützt sein müssen. Kostengünstiger und naheliegend ist ein schwimmendes Kraftwerk. Hier werden auf einer Plattform Motoren mit Gas betrieben, die über Generatoren Strom mit einer Spannung von elf Kilowatt und einer Frequenz von 60 Hertz erzeugen. Absolutes Zusatzplus: Die Plattform ist mobil und kann individuell verschwenkt werden.

Resümee

Ebenfalls wird mit Solarenergie, Zusatzsegeln und Wassergeneratoren experimentiert. Das mögen bisher noch Zukunftsprojekte sein. Jedoch sind solche Forschungsobjekte nötig, wenn die Schadstoffemissionen auf Dauer rapide gesenkt werden sollen.

Vielleicht muss aber auch ein ganz persönliches Umdenken beim Kunden stattfinden. Der Kunde will vor allen Dingen „billig“. Wer konnte sich in DM-Zeiten schon vorstellen, als Familie mit Kind eine Kreuzfahrt zu unternehmen? In den heutigen Kreuzfahrtbunkern werden jedoch die Kabinen in den niederen Decks als interessantes Billigangebot verkauft, da der Reeder seine Kosten decken muss und er mit diesen Billigkabinen eine neue Sparte für sich entdeckt hat.

Natürlich genießt jeder, der ein Schnäppchen über Tchibo und Co. ergattert hat, seine Reise; sie sei ihm auch gegönnt. Doch spätestens, wenn man über den schadstoffhaltigen Qualm nachdenkt, welcher unaufhaltsam aus dem Schornstein entweicht, bekommt der Urlaub einen schalen Beigeschmack

Eine Segelyacht segelt in den Wolken Eine Segelyacht segelt in den Wolken Eine Segelyacht segelt in den Wolken Eine Segelyacht segelt in den Wolken Eine Segelyacht segelt in den Wolken Ein Strauch verliert Blätter im Wind